Rückblick Zerstörung

Rückblick Zerstörung und man landet schneller im Gefängnis, als man gucken kann

Bereits unmittelbar vor Beginn des Ramadans hat die Regierung ihre Krallen gezeigt und viele Gebäude fielen der Zerstörung anheim. Diese Gebäude wurden ohne Baugenehmigung errichtet. Gnadenlos wurden sie eingerissen (wir berichteten in einem Blogbeitrag darüber). Ein paar ganz unterschrockene Bewohner fingen kurz darauf an, die eingerissenen Mauern wieder aufzubauen (auch darüber berichteten wir vor ein paar Monaten).

Gestern bin ich nach längerer Abwesenheit nach Ramla gegangen und ich musste feststellen, dass die Regierung wieder zugeschlagen hat. Die Mauern der englischen Besitzerin wurden abermals eingerissen. Zwischenzeitlich hat man den Boden der ersten Etage aus Beton gegossen. Bin mal gespannt, wie diese Geschichte weiter geht. Ein Gebäude gegenüber der Moschee, die auch abgerissen werden sollte, aber weiterhin steht, wurde zum Teil auch von den Bulldozern zerstört.

Das Haus einer alten Frau, die während des Ramadans verschont blieb, wurde bislang nicht angetastet.

Dass in Ägypten manchmal nicht lange gefackelt wird, dürfte auch durch die Abrissaktion mittlerweile bekannt sein. Dass man aber  auch sehr schnell mit einem Fuß im Gefängnis stehen kann, war mir so noch nicht bekannt.

In Ägypten gibt es wohl ein Gesetz, wonach man zur Berechnung der Strom- und Wasserkosten um das ganze Grundstück eine Mauer zu errichten habe. Die Errichtung des Mauerfundaments alleine  reicht der Regierung hierzu nicht aus, obwohl man bereits erkennen kann, wie groß das gesamte Grundstück ist. Wenn eine gewissen Frist verstrichen ist und die Beamten feststellen, dass die Mauer nicht errichtet wurde, bekommt man mitten in der Nacht durchaus mal Besuch von der Polizei. Der Grundstückseigentümer wird dann freundlicherweise mit auf die Wache genommen. Wenn man keine gute Kontakte  hat, die einen früher herausholen können, kann man schon einmal länger im Kalabush schmoren. Die Gefängnisstrafe liegt bei diesem Vergehen mal locker bei einem Jahr. Nach der Entlassung hat man die Möglichkeit, die Mauer ganz schnell errichten  zu lassen.  Hat man keine entsprechenden Mittel, ist man schneller wieder im Gefängnis, als man gucken kann. Leider kann es dann passieren, dass die Behörden „vergessen“, den Haftbefehl aus dem Computer zu löschen. Wer jetzt bereits ahnt, was kommt, behält recht.

Da es in Ägypten mittlerweile viele Polizeikontrollen gibt, nimmt das Unglück seinen Lauf. Man gerät versehentlich in einer fremden Stadt in eine Kontrolle, zeigt ahnungslos seine ID-Karte vor und bei der Überprüfung wird festgestellt, das der Kontrollierte im Computer per Haftbefehl „gesucht“ wird. Zack wird man auf die Polizeistation verbracht und findet sich in Handschellen in einer kleinen 3 x 3 m großen Zelle mit – wenn man Pech hat – 35 Inhaftierten auf dem Boden sitzend wieder.  Leider unterhält die Polizei von Stadt A zu der Polizei in Stadt B keinen Kontakt.  Ein kurzer Anruf könnte die Situation klären, so bleibt einem nur noch übrig, entsprechende Papiere in die Stadt, wo man inhaftiert ist, bringen zu lassen. Dies kann mal locker in Ägypten mindestens einen Tag dauern. Hierzu muss man wissen, dass in Ägypten selbst offizielle Schriftstücke nicht in getippter Form mit einem Briefkopf vorhanden sind. Sie werden auf normalem linierten Papier handschriftlich verfasst. Also muss man die lose Blattsammlung, die mal eben 3 Ordner umfassen kann, genau durchsehen, um das gesuchte abgestempelte und unterzeichnete Schriftstück zu finden.  In Deutschland würden wir schnell die Briefköpfe durchsehen, um die Suche einzugrenzen und dann im Betreff nachsehen, hier läuft das ein wenig anders.

Ganz clevere Leute lassen sich Kopien an einem Bekannten per Handy schicken, der die dann im Copy-Shop ausdruckt und mit Geldstrafe und Kopien zur Polizeistation fährt. Vom Überreichen der Unterlagen, deren Überprüfung und der Freilassung können schon ein paar Stunden ins Land gehen.

Text und Fotos Andrea Vinkenflügel

 

 

2 Antworten auf „Rückblick Zerstörung“

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