Ein Opferschaf musste gegen den bösen Blick geschächtet werden

Ein Schaf musste gegen den bösen Blick geschächtet werden

Wenn man in Ägypten ein Grundstück, ein Haus, eine Wohnung kauft oder neu baut, der muss ein Opferschaf schlachten. Dies kann man wahrscheinlich gleichsetzen mit dem Richtfest, welches bei einem Neubau in Deutschland stattfindet. Dies soll Glück bringen und in Ägypten dient es auch noch gegen den bösen Blick.

Seit wir in das Haus eingezogen sind, haben uns immer wieder kleine Skorpione beehrt. Auf diese Ehre hätte ich allerdings mal locker verzichten können, bin schließlich mehr oder weniger eine Stadtpflanze und nicht in der Wildnis groß geworden. Aber was soll man machen, wir wohnen nun mal dort, wo sich Fuchs und Igel gute Nacht sagen und da gibt es einfach andere Tierchen, als in bebauten Gegenden.

Mein Mann sagte, dass wir dringend ein Opferschaf schlachten müssen, da uns jemand mit dem bösen Blick gedacht hat und dadurch die Skorpione kommen würden. Naja, wer glaubt, wird selig, oder? Aber dieser Aberglaube ist in Ägypten noch weit verbreitet und jeder sagt, dass man ein Schaf zu diesem Zweck um die Ecke bringen muss.

Bislang habe ich mich ja geweigert, dem nachzukommen, da insbesondere vor dem Opferfest, welches vor 2 Wochen gefeiert wurde, die Schafe extrem teuer waren. Jede Familie, die es sich leisten konnte, hat ein Schlaf gekauft und geopfert.

Gestern Abend  hatten wir mal wieder 2 unerwünschte Untermieter und wir besprachen uns und kamen zu dem Entschluss, dass wir heute früh nach Qurna zum Markt fahren würden, um unser Schaf zu kaufen. Um 8 Uhr sollte es losgehen. Mit der Betonung auf es sollte losgehen. Ich wartete und wartete, aber mein Mann schlief tief und fest. Gegen 9.15 weckte ich ihn dann und wir fuhren  zusammen auf dem Motorrad nach Qurna, wo heute auch Viehmarkt war und mussten feststellen, dass das letzte Schaf gerade auf ein Tuk Tuk geladen wurde. Jetzt waren nur noch Hühner und Kühe vorhanden, die uns nichts nutzten. Unverrichteter Dinge fuhren wir wieder nach Hause. Mein Mann wollte noch kurz frühstücken und dann wieder zum Haus kommen.

Als nach über eine Stunde mein Mann vorbei kam, teilte er mir mit, dass er eine Überraschung haben würde und wir warteten vor dem Haus. Nach wenigen Minuten kam sein Freund Ali auf seinem Motorrad angeknattert und ein weiterer Mann saß auf dem Sozius. Bei genauerem Hinsehen sah ich dann, dass etwas zwischen den beiden Männern lag, und zwar ein Schaf. Hier wird wirklich alles, was geht, per Motorrad transportiert. Man hob das Schaf herunter und es bekam noch etwas Grünzeug zu fressen. Quasi seine Henkersmahlzeit.

Eigentlich war es ja so geplant, dass ich während des Killens nicht im Haus sein sollte, aber da es auch mein Haus ist, musste ich anwesend sein. Na super. Da der Schlachter auch schon auf dem Weg war, war Weglaufen zwecklos. Ich habe mich dann mal ins Haus verzogen und als ich einen Blick nach draußen warf, um zu gucken, wie weit sie mit den Vorbereitungen waren, fiel mein Augenmerk auf das bereits am Boden liegende Schaf. Man hatte ihm bereits die Kehle durchgeschnitten und ließ es ausbluten. Alles andere ist haram (verboten). Nix für schwache Nerven und nichts für Stadtpflanzen aus Europa. Sofort habe ich den Rückzug angetreten. Normalerweise hatte ich ja gedacht, dass ich mir meine letzte Mahlzeit noch einmal durch den Kopf gehen lassen würde, wenn ich so etwas zu sehen bekomme, aber ich war erstaunt, dass es nicht der Fall war. Erstaunlicherweise war ich ganz ruhig und habe keinen hysterischen Anfall bekommen. Zu Dokumentationszwecken habe ich auch das eine oder andere Foto gemacht. Schließlich habe ich es mir auf die Fahne geschrieben, Freunde und Bekannte über mein Leben in Ägypten auf dem Laufenden zu halten und dies gehört nun einmal zum Leben hier dazu.

Mit drei Mann  haben sie dann das arme Schaf gehäutet und an der Haustür baumelnd auseinander genommen. Schließlich wurde es in kleine Teile zerlegt und in 1-kg-Portionen abgepackt, da man das Fleisch an viele arme Familien verteilen wollte. So haben nun 20 Familien, die sich sonst kein Fleisch leisten können, heute Abend die Möglichkeit, sich eine leckere Mahlzeit vom Opferschaf zuzubereiten.

Meinen Mann habe ich anschließend verdonnert, alles zu beseitigen, was mit dem Opfervorgang zu tun hatte; ich habe mich schlicht und ergreifend verweigert, da auch nur einen Handschlag zu tun.

An alle Skorpione um unser Haus herum: Es wurde ein Opferschaf geschlachtet, damit Ihr einen großen Bogen um unser Haus macht. Ihr habt hier nichts mehr zu suchen!!!  Falls die Skorpione nur Arabisch können sollten, hier extra für Euch eine Übersetzung, damit Ihr am Ende nicht sagen könnt, dass Ihr nichts verstanden habt.

إلى جميع العقارب حول منزلنا: ذبح الأغنام، بحيث قمت بعمل قوس كبير حول منزلنا. ليس لديك ما تبحث عنه هنا !!!

 

 

Ich lasse jetzt extra etwas mehr Platz, damit man nicht direkt die blutigen Fotos zu Gesicht bekommt ….

 

 

 

Wer keine starken Nerven hat, scrollt am besten nicht weiter nach unten!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos Andrea Vinkenflügel

 

 

 

 

2 Antworten auf „Ein Opferschaf musste gegen den bösen Blick geschächtet werden“

  1. Unglaublich, ich war begeistert von dein Beitrag und beeindruckt das du dabei warst. Und wer weiß, vlt hilfst wirklich und ihr habt keine Skorpione mehr. Vielen Dank, liebe Grüße Yvonne

    1. Vielen Dank Yvonne. Ich hätte es mir allerdings gerne erspart, aber es war ein Glück nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Einen Mini-Skorpion hatte ich gestern früh leider in der Küche. Der war bereits tot, ob er evtl. tot unter dem Kühlschrank lag und durch einen Windzug hervorgekommen ist, weiß ich nicht … ich werde auf jeden Fall die nächste Zeit noch vorsichtig durch die Wohnung gehen und hoffen, dass ich keinem lebenden Exemplar mehr über dem Weg laufen werde.

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