Ramses ist nach langer Abwesenheit wieder zurück

Ramses ist nach langer Abwesenheit wieder zurück

Als ich im Oktober 2016 nach Ägypten zog, wurde ich relativ kurzfristig von 3 Straßenkatzen adoptiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht viel mit Katzen am Hut. Als Kind durfte ich keine Katze haben; mein erstes Haustier, ein Streifenhörnchen, bekam ich mit 7 Jahren. Danach folgten lediglich gefiederte Freunde in Form von Wellen- und Nymphensittichen und am Ende hatte ich eine Venezuela-Amazone.

 

Als unerfahrene Person, was Katzen anbelangt, war ich am Anfang sehr zurückhaltend. Ramses, ein getigerter Kater in orange, war der Draufgänger der Gruppe. Überhaupt nicht schüchtern, kam er relativ schnell zu mir und strich mir um die Beine herum und sprang an mir hoch. Ehe ich mich versah, nahm er auch meine Sonnenliege am Pool in Beschlag, egal, ob ich drauf lag oder nicht. Aber dies genügte dem Kleinen nicht. Er machte es sich auch an meinem Bein gekuschelt bequem, was mir überhaupt nicht zusagte. Aber ich hatte auch Angst, ihn von der Liege zu befördern. Mit dem Anpacken hatte ich es noch nicht. Ramses forderte aber rigoros Streicheleinheiten ein, die er schließlich von mir auch zögerlich bekam.

 

Irgendwann hatte das Trio mich auch so weit, dass ich extra Katzenfutter kaufte. Morgens warteten sie unten am Pool darauf, dass ich die Wohnungstür öffnete und dann gab es kein Halten mehr und die drei Katzen rasten sofort zu mir hoch und forderten ungeduldig ihr Frühstück ein. Danach blieben sie meist noch etwas und trollten sich dann. Gegen Mittag schauten sie dann wieder bei mir vorbei in Erwartung weiterer Leckerchen, die sie dann auch bekamen. Zusammen haben wir dann unten im Hof Siesta gehalten. Nach und nach verkrümelten sie sich dann wieder, schließlich ist die Straße ein interessanterer Spielplatz, als die Sonnenliegen am Pool. Wenn der Hunger größer wurde, als die Spielsucht, kamen sie wieder vorbei und ließen sich erneut füttern.

 

Ende Dezember verschwand er dann für 2 Wochen. Wo er sich in der Zeit herumtrieb, haben wir nie herausgefunden. Mein Vermieter witzelte schon, dass Ramses mal für 2 Wochen in den Urlaub gefahren sei. Allerdings blieb Ramses nicht lange und verschwand dann monatelang. Im Mai hatte ich ihn dann noch an 2 Tagen wieder gesehen und dann machte er sich erneut vom Acker. Danach zog ich in einen anderen Stadtteil, besuchte aber immer noch turnusmäßig meine alte Umgebung und „meine“ Katzen.

 

Anfang September musste ich für 1 Nacht aus unserem Haus ausziehen, da wir Gift sprühen wollten gegen die Ameisen-Armeen, die durch unser Haus spazierten und ich quartierte mich über Nacht in meinem alten Domizil ein. Morgens traute ich meinen Augen kaum, als ich das Tor öffnete und auf der anderen Straßenseite ein orangefarbener Tiger kläglich mautzte.  Der, der immer gut im Futter stand, machte einen sehr schlanken Eindruck. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob ich vor Ramses stand oder vor einem Sohn. Monate zuvor hatte ich mal ein orangefarbenes Jungtier von der Straße gerettet und wieder über den Zaun gehoben, damit es zu seinen Geschwistern konnte. Der Kleine war total verschreckt und kam nur zögerlich zu mir rüber, deshalb war ich mir schon fast sicher, dass es sich nicht um Ramses handeln konnte, da er ja immer ein Draufgänger war. Nachdem ich ihm was zu fressen gegeben hatte, verwandelte sich der Angsthase wieder in meinen alten Ramses und strich um meine Beine herum und sprang an mir hoch. Vor 3 Tagen bin ich noch einmal auf dem Weg zum Einkaufen in meine alte Straße gegangen und hatte wieder Katzenfutter im Rucksack, als ich schon von Weitem das klägliche Mautzen hörte und richtig, Ramses saß in der Nähe meiner alten Wohnung und ließ sich wieder verwöhnen.

Text und Fotos Andrea Vinkenflügel

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