Reisebericht Fayum und El Minya

Pyramide von Meidum, Tuna el Gebel, Kom Ashmunein, Beni Hassan und Tell el Amarna

Am Donnerstagabend ging es um 20:30 Uhr von der Westbank in Luxor los in Richtung Kairo, wo ich auf meine Reisegruppe treffen sollte. Bis auf wenige Stopps (1 x in Qurna und 1 x in Qena) fuhr der Bus non-stop. Zwischendurch wurde gegen 00:30 und 4:00 Uhr eine kurze Rast zum Beine vertreten gemacht und um die Waschräume aufzusuchen. Die sanitären Anlagen erinnerten mich irgendwie an die Schwimmbad-Toiletten aus den 70iger Jahren, aber was soll´s . Man gewöhnt sich hier an alles. Die Fahrt war zwar ein wenig beengt, aber der Fahrer fuhr uns sicher und zügig ans Ziel. Gegen 6:15 Uhr trafen wir in einem Vorort von Kairo ein und den letzten Rest legten wir mit dem Taxi zurück, welches uns der Busfahrer freundlicherweise orderte. Um 6:45 Uhr waren wir im Hotel und ich machte mich auf die Suche nach meinen 4 Reisegefährten, die bereits seit Montagabend Kairo unsicher machten. Diese waren gerade auf dem Weg zum Frühstück, wo ich ihnen noch etwas Gesellschaft leistete. Während sie später das Gepäck aus den Zimmern holten, wartete ich draußen auf unseren Busfahrer, der die Gruppe bereits während der letzten Tage begleitete, und auf den neuen Tourguide, der mit uns nach El Minya fahren würde.

 

Pünktlich um 7:45 Uhr war das Gepäck verstaut, alle miteinander bekannt gemacht und ab ging es Richtung El Fayum, wo wir die Pyramide von Meidum besichtigen wollten. Als wir am Checkpoint zum Gebiet El Fayum ankamen, mussten wir sicherlich eine gute Stunde auf unsere Security warten. Es stand zwar vor unserem Bus bereits ein Jeep mit bewaffneten Soldaten, aber diese waren offensichtlich nicht für uns gedacht, so dass wir uns auf eine längere Wartezeit einstellten. Irgendwann gegen 11 Uhr ging dann die bewachte Fahrt los und wir machten uns auf dem Weg nach Meidum. Dort besuchten wir die Pyramide von Pharao Snofru. Im Inneren der Pyramide wird man nach wie vor von kleinen Batmans (Fledermäusen) begrüßt, die lustig von der Decke hängen. Ein etwas strenger Geruch verrät einem schon, wo sich die kleinen Blutsauger befinden. Für mich ein Muss: Ich muss jedes Mal einmal komplett um die Pyramide herum spazieren und mir alle Seiten betrachten. Man kann dort die Ruhe genießen, kein Mensch ist weit und breit zu sehen, okay, dieses Mal hatte ich noch 2 Begleiterinnen und unser bewaffneter Schatten begleitete uns um die Pyramide herum. Wieder am Ausgangspunkt angekommen, haben wir uns noch die Sarkophage angesehen, die in unmittelbarer Nähe zur Pyramide aufgestellt worden sind. Langsam ging es zurück zum Bus und wir fuhren Richtung El Minya.

Am Checkpoint zwischen El Fayum und El Minya wechselte unser Begleitschutz und wir fuhren mit einer neuen Mannschaft los. Vor uns lag noch eine lange Fahrt. Erst gegen 15 Uhr erreichten wir Tuna el Gebel. Eine Nekropole, die durch die Tierbestattungen bekannt geworden ist. Hier fand man unzählige Tiermumien. Insbesondere Ibisse und Paviane wurden in unterirdische Katakomben in Tonkrügen bestattet. Die Wärter zeigten uns viele der unterirdischen Gänge. Leider wurde aufgrund eines Feuers eine Vielzahl von Tiermumien zerstört. Man kann in einem Seitenarm noch einen mumifizierten Pavian sehen. Auch Mumienbinden und zerstörte Tonkrüge findet man dort noch zu Hauf.  Uns zeigte man auch einen Raum, wo früher die Tiere mumifiziert wurden. Der Geruch in diesem Raum war allerdings mehr als gewöhnungsbedürftig. Vorab haben wir die kleine Kapelle des Thot-Priesters Petosiris besichtigt, wo es schöne Alltags-Szene zu sehen gibt. Selbstverständlich wurde auch das Grab der schönen Isodora besichtigt. Die Inhaberin des Grabes befindet sich noch heute in ihrem Grab. So mumifiziert hat sie allerdings nichts mehr Schönes an sich. Aber sie muss eine sehr kleine und zierliche Frau gewesen sein. Ein Fototicket hätte man hier für LE 350 erstehen können, da es dort nicht so viel zu sehen gab, habe ich darauf verzichtet und habe deshalb nur das Eingangsschild fotografieren können.

 

 

 

 

 

Nachdem wir Tuna el Gebel verlassen haben, wollten wir noch Kom Ashmunein aufsuchen. 2006 hatte ich dort das Freilicht-Museum besichtigt und die Überreste der Basilika. Mittlerweile hat sich doch einiges dort verändert. Wir sind durch das Dörfchen gefahren und sind dann zu Fuß über den örtlichen Müllplatz entlang gewandert, um zu den Überresten der Basilika zu gelangen. Die Kinder des Dorfes hatten ihren Spaß. Sie liefen den ganzen Weg hinter uns her, Touristen sind dort so gut wie nie anzutreffen, deshalb waren wir eine Sensation auf 2 Beinen. Überall trafen wir Ziegen, Kühe und Co. an, die sich am Müllplatz gütlich taten.

Auf dem Weg zur Basilika kamen wir noch an der Umfassungsmauer der  Siedlung und Tempelreste der altägyptischen Stadt Chemenu vorbei.

Die Säulen der Basilika wurden schnell besichtigt und wir machten uns zu Fuß auf den Weg zum Freilicht-Museum.

Unterwegs kamen uns 2 Polizisten auf einem Motorrad entgegengefahren und verlangten, dass wir den Rest des Weges mit dem Bus fahren, da Touristen nicht zu Fuß unterwegs sein dürfen. Naja, gut, also fuhren wir die letzten Meter mit dem Bus und was ich dort zu sehen bekam, haute mich schlichtweg um. Das open air Museum ist bis auf die beiden großen Pavian-Figuren am Eingang verschwunden. Nur noch die Vorrichtungen, auf denen seinerzeit die Artefakte montiert waren, waren noch zu sehen, die Artefakte selbst, waren verschwunden. Teilweise wurden sie wohl während der Revolution entwendet bzw. zum Teil auch in Sicherheit gebracht und nicht wieder ausgestellt. Schade, kann man nichts machen, also wurden nur die beiden Paviane, die den Schreibergott Thot darstellten, fotografiert.

Anschließend packten wir einen der Polizisten ein und fuhren ca. 1,5 Stunden zurück nach El Minya, wo wir unser Hotel gebucht hatten. Es war allerdings nicht so einfach das Hotel zu finden und unser Busfahrer musste mehrmals nachfragen und wir wurden von Norden nach Süden, von Westen nach Osten geschickt, aber irgendwann wurden wir in einer Seitenstraße fündig. Es war lediglich ein kleines Hotel, aber die Zimmer waren sehr schön. Insbesondere das Bad war topp und alles sehr sauber. Da konnte man gut eine Nacht verbringen.

Da wir alle den ganzen Tag über nichts gegessen haben, haben wir uns  nur kurz frisch gemacht und vor dem Hotel getroffen und wollten zu Fuß zum Restaurant gehen. Mein Mann wollte unbedingt mit dem Bus fahren und wir dachten, dass er einfach nur keine Lust zum Gehen hätte und haben einstimmig beschlossen, zu Fuß zu gehen, da wir den ganzen Tag bereits gesessen hatten. Auf dem Weg zum Restaurant erklärte mir mein Mann, dass in El Minya keine Touristen ohne Begleitschutz herumlaufen dürften. Gut, dies war mir in der Form nicht bewusst, aber da waren wir ja bereits unterwegs. Während des Essens tauchte dann jemand von der Geheimpolizei auf und erkundigte sich, wie viele Touristen im Restaurant seien und verschwand wieder. Eine Minute später kam er wieder rein und wollte wissen, aus welchem Land wir kamen und zack war er wieder weg. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch gedacht, dass dies jemand vom Restaurant war. Nach dem Essen wurde uns dann klar, wer diese Fragen stellte, denn als wir das Restaurant verließen, stand die Kavallerie vor der Tür. Es bleibt nicht unbemerkt, wenn einfach die Touristen ausbüchsen. Nun standen wir jedoch vor dem nächsten Problem, es wollten noch nicht alle zum Hotel zurück, es wollten noch ein paar Shisha rauchen gehen. Wir gingen also zunächst Richtung Hotel und kamen unterwegs an einem Obststand vorbei, der wunderschönes Obst anbot, da konnten wir nicht einfach vorbei gehen, sondern deckten uns für den nächsten Tag ein. Um uns herum sämtliche Polizisten und die Geheimpolizei. Der Obstmann hat zumindest bei mir sehr großzügig die Äpfel gewogen, wahrscheinlich, weil ihm der gesamte Polizeiapparat auf die Finger schaute. Um zu den Coffee Shop zu gelangen, mussten wir eine Straße überqueren und es kann nicht sein, dass VIP´s warten müssen, also hielt die Polizei für uns den Verkehr an, damit wir die Straße passieren konnten und wir kamen uns wirklich wie Prominente vor. Am Coffee Shop angekommen, versammelten sich unsere Security wieder um uns und nun standen wir vor dem Problem, dass ich nach wie vor zum Hotel wollte. Nach 2 schlaflosen Nächten zog es mich Richtung Hotelbett und nicht Richtung Coffee Shop. Ein anderer Gast zog auch das Hotel vor und so machten wir uns zusammen mit unserem Busfahrer, der ein Fußballspiel sich angucken wollte, auf zum Hotel. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne unseren Geheimpolizisten gemacht, der folgte uns wie ein Schatten. Da wir noch Getränke an einem Stand kaufen wollten, den wir auf dem Hinweg gesehen hatten, steuerten wir die Stände auf der Straße vor unserem Hotel an. Der Stand, der auf unserer Straßenseite lag, hatte leider nicht das gewünschte Getränk und ich fragte vorsichtig unseren Bewacher, ob es mir erlaubt sei, kurz die Straßenseite zu wechseln, um bei dem Stand meine Getränke zu kaufen und es kam, wie es kommen musste, er hielt den Verkehr wieder an, dabei hätte ich nur noch 1 – 2 Autos passieren lassen müssen, um die Straße überqueren zu können. Es ist schon irgendwie komisch, wenn einem jemand auf Schritt  und Tritt folgt. Ganz ehrlich, jetzt weiß ich, wie sich die Mitglieder der Königshäuser oder berühmte Leute fühlen müssen, dies wäre kein Leben für mich, wenn mir immer jemand folgt. Wir kamen auf jeden Fall sicher im Hotel an und die restliche Reisegruppe, wurde von den übrigen Polizisten eine Stunde später auch sicher zurückgeleitet.

 

Eine Mitreisende, die am nächsten Morgen für eine Zigarette vors Hotel getreten ist, konnte sich überzeugen, dass die ganze Zeit die Polizei vor dem Hotel Wache gestanden haben muss, denn die kamen ihr direkt entgegen und sie bekam die Order, wieder zurück ins Hotel zu gehen.

 

Das Frühstück bekamen wir alle vom Roomservice auf´s Zimmer gebracht. Ein toller Service und sehr schmackhaft.

 

Einer unserer Mitreisenden, der in Ägypten bereits als Indiana Jones berühmt berüchtigt ist, hat die komplette Nacht genutzt und hat Ausgrabungen in El Minya durchgeführt. Wie er an der Security sich vorbei schleichen konnte, ist uns immer noch ein Rätsel, aber am nächsten Morgen konnten wir uns überzeugen, dass er die lange verschollene Pyramide gefunden und freigelegt hat.

Pünktlich um 7:30 Uhr ging es – natürlich mit unserem Begleitschutz – nach Beni Hassan, wo wir die berühmten Felsengräber besichtigten wollten. Um zu den Gräbern zu gelangen, muss man aber erst eine kleine Strapaze auf sich nehmen und 287 Stufen erklimmen. Aber man wird mit ein paar sehr schönen Gräbern dafür belohnt. Wenn man ein Fototicket für LE 300 löst, darf man auch innen ohne Blitz fotografieren. Da gab es für mich natürlich mal wieder kein Halten und ich machte unzählige Fotos von den schönen Reliefs. In 2 der Gräber werden Darstellungen von Ringern wiedergegeben. Von den Felsengräbern aus hat man auch einen wunderschönen Blick über den Nil und die Landschaft. Man könnte dort stundenlang sitzen und die Ruhe genießen und die Seele baumeln lassen.

Grab des Baqet III.

Grab des Khety

Grab des Amenemhat Ameni

Grab des Chnumhotep II

Nach Beni Hassan ging es dann nach Tell el Amarna, der alten Hauptstadt des Pharao Echnaton, wo er 13 Jahre lang lebte. Auch dort wollten wir uns 3 Felsengräber ansehen und mussten wiederum knapp 300 Stufen in die Höhe klettern. 2 der 3 Gräber waren nicht wirklich spektakulär, aber das mittlere Grab hatte wunderschöne – typische Amarna – Reliefs. Da lohnt sich wiederum ein Fototicket für LE 300 zu erwerben. Wo ich gerade bei Erwerben bin, Frauen verkaufen dort am Eingang selbst gemachte kleine Körbchen. Der Preis ist – finde ich – sehr günstig. Die kleine Körbchenschale konnte man für umgerechnet € 2,50 und die größere Schale für € 5,00 bekommen. Ich konnte da mal wieder nicht dran vorbei gehen und habe mir eine große Schale gekauft, wo in Zukunft mein Obst zu finden sein wird.

Nachdem wir den Abstieg von den Felsengräbern wohlbehalten erledigt hatten, wollte ein Mitreisender und ich unbedingt noch eine der Grenzstelen sehen und wir fuhren etwas weiter in die Wüste rein, wo – oh Schreck – die nächsten Stufen auf uns warteten, aber ein Glück waren es dieses Mal keine knappen 300, sondern vielleicht um die 50. Links neben der Grenzstele hat man 2 Figuren (Echnaton und Nofretete) herausgeschlagen. Leider stand die Sonne ein wenig ungünstig, so dass die Fotos nicht so gut geworden sind, aber egal, ich war froh, die Grenzstele mal gesehen  zu haben.

Anschließend ging es dann zu den Überresten des Palastes von Echnaton. Viel ist nicht mehr erhalten und das Areal ist mit Stacheldraht umzäunt, aber egal. Die paar Mauerreste aus Lehmziegel und die wenigen Säulenbasen, die noch vorhanden sind, haben wir uns angesehen und uns vorgestellt, dass dort der junge Tutenchamun mal Ball gespielt haben könnte.

Leider waren damit unsere Besichtigungspunkte bereits abgehandelt und wir fuhren auf der neuen Militärstraße zurück bzw. weiter nach Luxor, wo wir die Reisegruppe sicher ins Hotel auf der Westbank brachten.

Fotos und Text:  Andrea Vinkenflügel

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