Warum man auch mal etwas anderes in Luxor besichtigen könnte

Die kleinen Sehenswürdigkeiten, die auf einer Nilkreuzfahrt in der Regel nicht gezeigt werden, was ich persönlich sehr schade finde, da diese einen speziellen Charme haben, waren heute unser Ziel.

Das Programm war vollgepackt mit Sehenswürdigkeiten, sorry, aber ich kann nicht anders. Ich möchte meinen Gästen immer möglichst viel zeigen.

Um 8:30 Uhr habe ich unseren Gast vom Hotel abgeholt und es ging auf direktem Wege zum Tal der Königinnen, wo wir uns die beiden Gräber zweier Söhne Ramses des III. angesehen haben und das Grab der Teti.

Gestartet haben wir mit dem Grab Chaemweset, der ein Bruder oder Halbbruder von Amunherchepeschef sein soll, der auch im Tal der Königinnen bestattet liegt. Ob Teti, die Mutter der beiden Königssöhne war, ist immer noch nicht eindeutig belegt. Ramses III ist auf jeden Fall der Vater. Chaemweset war Sem-Priester und zeitweise Hohepriester in Memphis. Reliefs weisen nur wenig auf seine Stellung hin. Überwiegend sieht man, dass Ramses III seinen gerade verstorbenen Sohn den Göttern vorstellt. Wer das Grab schon einmal gesehen hat, kennt die Farbenpracht, die einfach wunderschön ist. Hier sind ein paar Fotos aus dem Grab Chaemweset.

Anschließend besuchten wir das Grab der Teti, wo der eine oder andere Ägyptologe der Ansicht ist, dass sie eine Frau von Ramses III war und die Mutter von Chaemweset und Amunherchepeschef. Ihr Grab ist im Gegensatz zu den beiden Königssöhnen nicht so farbintensiv. Es wird einer Königsgemahlin nicht wirklich gerecht.

Zu guter Letzt haben wir das Grab des Amunherchepeschef besichtigt. Amunherchepeschef war eigentlich der Thronfolger von Ramses III und gleichzeitig Königlicher Schreiber und Chef der Wagenlenker.

Die Reliefs erinnern sehr stark an die Reliefs, die man im Grab des Chaemweset gesehen hat. Auch hier sind die Relieffarben wieder sehr gut erhalten. Irgendwie sehen sie ein wenig nach Pastelltönen aus. Ramses III stellt auch diesen gerade verstorbenen Sohn den Göttern vor. Den Verstorbenen sieht man in vielen Szenen mit seinem Vater, Ramses III, der Götter begrüßt, während er hinter seinem Vater mit einem Fächer steht und der typischen Jugendlocke. Ob er bereits als Jugendlicher oder als junger Erwachsener gestorben ist, weiß man bis heute nicht. Es sieht jedoch so aus, als wäre er nie in seinem Grab bestattet worden. Er wurde in einem Sarkophag, der ursprünglich für die Königin Tausret gefertigt wurde und für ihn abgeändert wurde, in einem Grab im Tal der Könige (KV 13) gefunden. Als Schiaparelli das Grab fand, war das Grab bis auf einem Sarkophag leer.

Nachdem wir das Tal der Königinnen verlassen haben, gingen wir zu den Überresten des Tempels Eje/Haremhab, der sich in unmittelbarer Nähe zum Habu Tempel befindet. Viel ist hier nicht mehr zu sehen, aber ich konnte meinem Gast noch ein paar Säulenbasen und Steinblöcke mit Reliefs zeigen. Gleichzeitig konnte man den Unterschied zwischen Bauten für die Ewigkeit (aus Stein) und Bauten auf Zeit (aus Lehmziegel) auf kleinem Raum gut zeigen.

Auf dem Weg zum Ticketoffice nahmen wir dann noch zwei Tempelüberreste mit, und zwar einmal von Thutmosis II

und von Amenophis, Sohn des Hapus.

Nachdem wir unsere weiteren Tickets gekauft haben, ging es weiter zum Merenptah Tempel, den Flinders Petrie um 1890 teilweise ausgegraben hat. Ein Schweizer Institut hat in den vergangenen Jahrzehnten dort viel Arbeit investiert und ein Open-Air-Museum „eröffnet“. Es wurden lediglich wenige Steinblöcke recht ansprechend aufgestellt und viele Blöcke und Reliefs befinden sich noch in den auf dem Gelände befindlichen Magazinen, die für Gäste nicht zugänglich sind. Auch das kleine Museum auf dem Gelände habe ich noch nie geöffnet erlebt. Insgesamt ist der Tempel erst seit 2003 für Gäste öffentlich zugänglich. Hervorzuheben ist hier die sogenannte Israel-Stele, die dort als Nachbildung steht. Dies ist die einzige Quelle, wo Israel in einer ägyptischen Inschrift erwähnt wurde.

Nach einem kurzen Stopp in einem Hotelgartenlokal, ging es weiter zu den Gräbern in Dra Abu el Naga, wie ich immer wieder gerne sehe. Die Farben des insbesondere Roy-Grab flashen mich immer wieder und ich werde nicht müde, mir die Reliefs dort anzusehen.

Aber zunächst starteten wir unsere Besichtigung mit dem Grab des Shuroy, der oberster Kohlfeuerträger war im Amuntempel. Das mit zwei Kammern sehr kleine Grab besticht mit seinen schönen Reliefresten. Das Grab scheint nicht fertiggestellt worden zu sein. Wenn man in das Grab kommt, befinden sich auf der linken Seite ein paar in roter Farbe vorgezeichneten Reliefs. Normalerweise bedeutet dies, dass man zwar die Vorzeichnungen bereits durchgeführt hat, aber die Überprüfung der Zeichnung wurde noch nicht durchgeführt und somit auch nicht die endgültige Zeichnung mit schwarzer Farbe aufgebracht. Aber vielleicht macht gerade dieser Umstand dieses Grab sehenswert.

Nach dem Grab des Shuroy ging es direkt zum Grab des Roys und wirklich, wenn man dieses kleine Grab mit seiner intensiven Farbgebung sieht, muss man es einfach lieben. Es ist zwar super klein, aber die Reliefs sind einfach ansprechend. Ich bin immer wieder aufs Neue von den intensiven Farben begeistert und ich strahle bestimmt wie ein Honigkuchenpferd bei dem Anblick. Anstatt viel zu schreiben, lasse ich lieber Bilder sprechen.

Zu guter Letzt haben wir dann noch das Grab des Amenemipet besichtigt. Es handelt sich um ein T-förmiges Grab. Wenn man hereinkommt, befinden sich sowohl auf der linken, als auch auf der rechten Seite jeweils Sitzstatuen des Verstorbenen. Auf der linken Seite sind auch noch ein paar farbige Reliefs zu sehen. Rechts sind die Reliefs weitgehend zerstört.

Wenn man dann geradeaus weiter geht, kommt man unweigerlich an einem großen Sarkophag aus Rosengranit vorbei. Auch hier sind fast kaum noch Reliefs vorhanden. Ganz am Ende des Gangs befindet sich eine Statuengruppe.

Besichtigungen machen durstig und mitunter auch hungrig, also haben wir eine Rast eingelegt und bei Onkel Ali zu Mittag gegessen. Nirgends habe ich bisher besseres Kofte gegessen und dann noch mit dem Blick auf den Hatschepsut Tempel und den thebanischen Bergen. Als wir uns gestärkt hatten, nahmen wir die nächsten beiden Punkte auf dem Programm in Angriff.

Zunächst ging es zum Ramesseum. Wir haben extra abgewartet, bis die Sonne richtig stand, damit wir 3 Wände des Tempels im guten Streiflicht sehen konnten. Nur, wenn die Sonne richtig steht, kann man die Reliefs gut sehen und somit auch gut fotografieren. Am Morgen hat man von diesen Wänden nicht wirklich viel.

Auf dem ersten Pylon kann man dann z. B. gut die Szenen eines Feldzuges sehen gegen die Hethiter. Ganz links kann man unzählige syrische Festungen sehen. Ägyptische Soldaten campieren – Soldaten ruhen sich aus, Esel grasen. Gefangene mit zusammengebundenen Armen sind auch zu sehen. An einer Stelle sieht man Ramses der II. wie er sich mit seinen Söhnen berät. Auf der rechten Seite des Pylons sieht man den starken Ramses, wie er einen Feldzug gegen Kadesh führt.

Auf dem zweiten Pylon sieht man wiederum Feldzüge in Westasien. Man sieht auf dieser Wand ein Schlachtchaos. Die Feinde werden niedergetrampelt, Soldaten werfen sich in den Fluss Orontes. Ein hethitischer Führer wäre beinahe ertrunken und man konnte ihn noch aus dem Fluss retten und wiederbeleben. Er wurde auf den Kopf gestellt und man klopft ihm auf die Brust.

Im großen Säulensaal befindet sich dann auf der linken Seite meine Lieblingswand. Ramses II gibt hier wieder den großen Kriegsherrn und fährt mit seinem Streitwagen einen Angriff gegen die Hethiter. Die Festung von Dapur wird von seinen Soldaten erklommen mit Leitern und überwältigen die Wachposten. Hethiter springen von der Festung, um den Feinden zu entkommen. Diese Szenen gaben einen Einblick, wie früher Kriege geführt worden sind.

Auf einer anderen Wand im großen Säulensaal kann man links 19 Königssöhne Ramses II sehen und auf der rechten Seite sind 23 Königssöhne zu sehen. Die Königssöhne erscheinen in der Reihenfolge ihrer Geburt. Über keinen der Königssöhne kann man eine Kartusche sehen, lediglich bei einem Sohn ist eine Kartusche zu sehen, und zwar bei Merenptah, der die Nachfolge von Ramses II angetreten hat.

Eigentlich ist es verboten, die Magazine des Tempels zu besuchen, hin und wieder lassen die Wärter einen in diese Ecke des Tempels. Wir haben nur ganz kurz ein paar der Magazine besichtigt und nach einem leckeren Shai von unserem Wärter ging es weiter zum Ramose Grab.

Ramose war ein Adliger mit viel Einfluss. Ramose war Wesir, Bürgermeister, Vorsteher aller Handwerkarbeiten des Königs, Richter und Aufseher über Priester. Eine ganze Menge Titel für einen Mann. Da muss es einen auch nicht wundern, wenn so ein Mann keine Alltagsszenen in seinem Grab duldet, wie sie normalerweise bei Beamten und Handwerker etc. vorhanden sind. Er zielt mehr auf seine Stellung ab, die er unter Amenophis III und IV hatte. Für ihn war das Verhältnis zu Amenophis IV, der zu der Zeit noch nicht Echnaton genannt wurde, wichtiger.

Das Grab von Ramose ist offensichtlich nicht fertiggestellt worden. Es befinden sich auf den Wänden links und rechts vom Eingang wunderschöne Reliefs, die sehr aufwändig herausgearbeitet wurden. Wenn man sich insbesondere mal die feinen Perücken anguckt, eine fabelhafte Arbeit der Künstler. Woran sieht man, dass das Grab nicht fertiggestellt worden ist? Ganz einfach, es fehlt die Farbe. Die Reliefs sind nahezu unbemalt. Lediglich die Augen und die Augenbrauen wurden schwarz hervorgehoben, die übrigen Reliefs sind ganz Natur belassen. Auf der linken Schmalseite des Grabes sieht man die einzigen farbigen Reliefs in Form einer Trauerprozession. Man sieht einen Menschenstrom mit Opfergaben, Klageweiber etc. pp. Gegenüber des Eingangs kann man eine Szene sehen, die hervorhebt, dass dem Verstorbenen sein Verhältnis zu Amenophis III und IV wichtig war, da er sie in seinem Grab hat abbilden lassen. Über – ich nenne ihn hier schon einmal – Echnaton sieht man die berühmte Sonnenscheibe mit den Ankh-Zeichen, am Ende der Sonnenstrahlen. Auch Echnaton kann man schon in dem Kunststil der Amarnazeit sehen. In einer Szene rechts neben Echnaton kann man Auslandsbotschafter sehen, wie sie zu Ehren Amenophis IV die Hände erheben. Diese Szene ist noch in schwarzer Farbe gemalt und noch reliefiert.

Ein schöner Besichtigungstag ging dann gegen 16:30 zu Ende und ich hoffe, dass mein Gast ebenso viel Spaß hatte, wie ich.

Text und Fotos: Andrea Vinkenflügel

5 Antworten auf „Warum man auch mal etwas anderes in Luxor besichtigen könnte“

    1. Hallo Udo,

      vielen Dank. Ich freue mich, wenn ich das Interesse an anderen Sehenswürdigkeiten auf der Westbank wecken konnte. Wir würden uns freuen, Dich in Luxor begrüßen zu dürfen, wobei in der Regel ein deutschsprachiger Tourguide die Ausflüge durchführt. Ich springe nur bei Bedarf mal ein und bin ansonsten für die Organisation und für die Erstellung der Programme zuständig.

  1. Oh ja, Andrea ! Es war ein toller Tag. Ich habe unglaublich viele Eindrücke mitgenommen. Weil ich sowohl das Tal der Könige, Hatschepsuttempel, Karnak u.Luxortempel schon mehrmals besichtigt habe, wollte ich mehr sehen von der Westbank. Da war ich genau richtig bei Euch. Es war klasse; wenn ich das nächste Mal in Luxor bin, gehts weiter.. Danke Andrea und Danke dem Driver.

    1. Hallo Maria,

      es freut mich, dass es Dir genauso gut gefallen hat, wie mir. Die eine oder andere Information kannst Du im Bericht noch nachlesen, da es ja schier unmöglich ist, alles aufzunehmen und zu behalten. Wir stehen für Deinen nächsten Aufenthalt in Luxor Gewehr bei Fuß. Wir wünschen Dir für heute Abend ganz viel Spaß mit Aida am Hatschepsut Tempel. Es wird bestimmt ein einmaliges Erlebnis werden.

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