Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Wie man schon an der Überschrift erkennen kann, lief am 10.11.2019 nicht alles nach Plan. Was war geschehen?

Letzten Sonntag wollten wir zum Kloster Deir Mari Girgis in Riziqat (ca. 10 km von Armant/40 km von Luxor entfernt). Dort findet eine Wallfahrt zum heiligen Georg statt und die koptischen Christen strömen aus dem ganzen Land zu diesem Kloster und campieren dort vom 10. – 17. November eines jeden Jahres.

Morgens um 10 Uhr machten wir uns auf den Weg, wir wollten unseren Freund Georgious mit Familie um 12 Uhr treffen. Zunächst verlief auch alles nach Plan, aber dann schlug das Karma zu. Von jetzt auf gleich standen wir im Stau. Im Stau? In Ägypten? Ja, gibt es denn so etwas? Ja, offensichtlich gibt es auch Staus in Ägypten. Wieso, weshalb, warum, wussten wir zunächst auch nicht. Wenn wir Glück hatten, ging es mal ein paar Wagenlängen weiter, dann standen wir wieder fest. Zwischendurch gaben ein paar Leidensgenossen auf und wendeten den Wagen und fuhren entgegengesetzt wieder zurück. Wir blieben erst einmal in der langen Schlange stehen und guckten neidisch Motorrädern und Tuc Tucs nach, die uns gnadenlos überholten und ich meine, uns auch schadenfroh zum Teil anschauten.

Irgendwann hatte mein Mann von der Warterei die Nase voll und fuhr mal locker an der stehenden Schlange vorbei. Was hat uns mal ein Reiseführer gesagt? In Ägypten ist alles erlaubt. Tja, ich glaube, dies ist nicht ganz so wahr. Wir kamen gefühlte 200 m voran und standen dann ganz plötzlich vor einem mobilen Polizei-Checkpoint, wo uns die netten Beamten aufforderten, mal kurz links ranzufahren (rechts ging ja nicht ob der langen Schlange). Es wechselten Fahrzeugpapiere von einer Hand zur anderen. Auch das Papier, welches ausgefüllt werden muss, wenn ein Tourist/in außerhalb der Stadt unterwegs ist, wurde eingesehen. Der Blick ins Wageninnere, wo eine blonde Touristin grinsend und abwartend saß, nützte uns nichts, es gab ein Ticket von LE 100. Es ist auch in Ägypten nicht alles erlaubt 😉. Während des Procedere am mobilen Checkpoint setzte sich die Schlage in Bewegung und ich glaube, dass nahezu alle Fahrzeuge, die wir vorher überholt hatten, gerade an uns vorbeifuhren. Mit Glück hatten wir fünf Wagenlängen durch die Aktion wettgemacht. Also reihten wir uns wieder brav ein und schlichen weiter Richtung Fest.

Zwischendurch dachten wir laut nach, ob wir überhaupt zum Ort des Geschehens müssen, ob wir nicht einfach umkehren wollen etc. pp. Da wir den nächsten Checkpoint schon im Blick hatten – in der Ferne natürlich – haben wir uns entschiedenen, mal zu gucken, wie es nach dem Checkpoint weiter geht. Ging es weiter? NEIN!!! Es kam noch schlimmer. Anstatt die Fahrzeuge, die zur Wallfahrt am Checkpoint nach links hätten abbiegen müssen, durchzulassen, wurde der Abzweig gesperrt und die Wagenkolonne musste geradeaus weiterfahren. Allerdings hat man uns nach dem Checkpoint unsere Fahrspur gestohlen. Wir mussten auf dem „Standstreifen“ ausweichen; wer schon einmal in Ägypten war, der weiß, dass es den bei uns üblichen Standstreifen nicht gibt, wir sind quasi auf dem Acker gefahren, weil uns plötzlich 3 Fahrzeugreihen mit vollbepackten Autos, Minibussen, Trucks entgegen kamen. Warum sollte man sich auch mit einer Fahrspur zufriedengeben, wenn man dringend zum Heiligen Georg will, dann nimmt man noch die Gegenfahrbahn hinzu und quetscht sich zu Dritt wieder Richtung Checkpoint.

Was ich vielleicht noch erwähnen sollte, wenn die Kopten auf diese Wallfahrt gehen, haben sie ihren gefühlten halben Hausstand dabei und dies ist sicherlich nicht übertrieben. Die Familien campieren auf dem Fest, bis dieses beendet ist und haben wirklich alles dabei, was man in den 10 Tagen benötigt werden könnte. Von der Matratze, über Tische, Bänke, Töpfe, Decken, Kleidung, Lebensmittel, ach ich weiß gar nicht, was ich noch alles auf den Fahrzeugen zu sehen bekommen haben. Doch eines habe ich vergessen …. Unzählige Menschen, die sich auf und um das Fortbewegungsmittel scharren. Da fährt ein Jugendlicher hinten auf dem Kofferraum sitzend mit. Im Pickup hängen Kinder auf den Stoßstangen, auf den offenen Trucks sitzen ganze Familien – teilweise auf dem Boden. Die, die etwas bequemer reisen wollen und über Platz verfügen, sitzen in mitgebrachten Plastikstühlen. Es wird unterwegs ein Schwätzchen gehalten, gegessen und getrunken und auch schon einmal Nachschub gekauft. So schnell, wie unsere Karawane war, hätte man sich auch die Schuhe noch besohlen lassen können.

Aber zurück zu unserem Abenteuer. Gerne hätten wir direkt nach dem Checkpoint uns in die Gegenrichtung eingefädelt, aber keine Chance. Wir konnten den netten Fahrern auf der Gegenspur erklären, dass wir nur noch nach Luxor zurück möchten und gar nicht zum Kloster fahren wollen und man uns doch bitte kurz reinlassen sollte, aber man kannte kein Erbarmen, wir mussten weiter geradeaus fahren, da uns niemand reinlassen wollte. Na super. Also fuhren wir sicherlich noch 1 – 2 km geradeaus, bis die Fahrzeug vor uns das Ende der Gegenspur erreicht hatten, um sich dort einzufädeln und wir konnte endlich ohne Wagenkolonne weiterfahren, aber wohin? Zunächst einmal kam noch eine Tankstelle, an die mein Mann leider vorbeifuhr, was soll schon passieren, wir haben ja noch für 200 km Benzin. Wohin führt die Straße? Das kann ich Euch sagen, mitten in die Wüste, mitten ins Nichts.

Obwohl wir mitten im Nirgendwo waren, lief unterwegs ein Mann am Wegesrand entlang und wir fragten nach dem Weg. Nicht, dass es viele Alternativen gab, aber es ist ja gut zu wissen, dass wir auf dem richtigen Weg uns befanden. Wir sollten weiter geradeaus fahren. Irgendwie mussten wir um die thebanischen Berge, die uns auf der rechten Seite folgten, herum. Als nach wenigen Kilometern eine asphaltierte Straße nach rechts abbog, bogen wir kurzerhand ab und landeten am Ende der Straße, die locker 5 – 10 km lang war, vor den Toren einer Mülldeponie.  Klasse, also Wendemanöver in drei Zügen und wieder zurück zur Hauptstraße.

Nach, ich weiß nicht wie vielen Kilometern, kam eine Abbiegespur nach links und dort stand Esna/Edfu/Assuan. Geradeaus sollte es nach El Dabaha (oder so ähnlich gehen, habe ich schon wieder vergessen). Mein Mann wollte geradeaus weiterfahren und ich wollte nach links abbiegen. Da ich leider nicht am Steuer saß, fuhren wir geradeaus weiter. Was soll ich sagen, wir sahen nichts außer Wüste und Berge und erneut Wüste und Berge. Irgendwann fuhr neben uns ein LKW und wir signalisierten dem Fahrer, mal kurz zu halten und fragten nach dem Weg. Geradeaus war auf jeden Fall nicht unsere Route. Wir hätten an der „Abfahrt“ nach links abbiegen müssen. Also wieder drehen und jetzt schnell nach rechts abgebogen, wo wir langsam wieder Richtung Zivilisation kamen. Am nächsten Checkpoint war man auch so freundlich, uns durchzulassen, nachdem wir ihnen erklärten hatten, dass wir keine Chance sahen, zum Fest zu kommen und wollten nur noch nach Luxor zurück und in der anderen Richtung staut sich die Schlange, so dass wir diesen Weg nehmen, um wieder nach Hause zu kommen.

Nun ging es an Feldern und kleine Dörfer wieder zurück und ich habe unterwegs noch ein paar Fotos von Land und Leute gemacht. Zuvor habe ich ganz vergessen, dass man ja mal das eine oder andere Bild hätte machen können, insbesondere von der Blechlawine, aber was soll´s.

Ich war nur froh, dass die Idee von dem Ausflug nicht von mir stammte, sondern von meinem Mann, ich glaube, sonst wäre mir jemand im Auto durchgedreht und wir hatten auch noch ausreichend Benzin im Tank, dies war nämlich meine größte Sorge, dass wir plötzlich in der Wüste und Benzin hängengeblieben wären. Aber wir hatten noch für 50 km Benzin, gut, dass wir den LKW-Fahrer so früh getroffen haben, sonst hätte es eng werden können.

2 Antworten auf „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“

    1. Michael, keine Angst, ich habe Dir das Programm geschickt und wenn wir uns danach richten, kommst Du dort an, wo Du auch ankommen möchtest, versprochen 😉

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