Die ersten Touristen kommen wieder nach Luxor…

… auch wenn die europäischen Regierungen ihnen viele Knüppel zwischen die Beine werfen, um einen Urlaub zu realisieren.

Ganz unverhofft bekam ich am Mittwoch, den 30.09. die Mitteilung, dass eine österreichische Bekannte von mir spontan nach Luxor geflogen sei und fragte, ob ich Lust hätte, sie zum Habu Tempel zu fahren.  Was für eine Frage, klar hatte ich Lust. Immerhin habe ich die Sehenswürdigkeiten seit fast 7 Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen. Wir hatten uns auch darauf geeinigt, dass wir ebenso dem Sethos Tempel einen Besuch abstatten würden, den sie noch nicht kannte.

Manchmal ist es unheimlich, dass zwei Personen dieselben Gedanken zur selben Zeit äußern. Als ich mir in Erinnerung rief, dass meine Bekannte Ägyptologie studiert, dachte ich, dass es vielleicht eine schöne Idee sei, wenn wir unsere Tour in Malqata starten würden, um dann mit dem Habu Tempel fortzufahren. Kaum hatte der Gedanke Gestalt angenommen und wollte ihr dies mitteilen, als ich von ihr eine WhatsApp-Nachricht erhielt mit der Frage, ob wir ggfs. auch noch Malqata besichtigen könnten. In Deutschland würden wir jetzt sagen: Zwei Doofe, ein Gedanke. Also stand unser Programm für den nächsten Tag statt. Uhrzeittechnisch haben wir uns auf 7 Uhr geeinigt, da die Sonne selbst Anfang Oktober kein Erbarmen kennt und uns mit 42° Celsius quälen wollte.

Um 6:20 Uhr holte mich zu Hause Kapitän Abdul mit dem Motorrad ab und wir fuhren zur Bootsanlegestelle, um über den Nil zu schippern, da meine Bekannte auf der Eastbank in einem Hotel eingecheckt hatte. Etwas zu früh erreichte ich das Hotel um 6:45 Uhr und wartete auf das Erscheinen meiner Bekannten. Nach einer kurzen Begrüßung ging es zum Bootsanleger, um zurück zur Westbank zu fahren, wo unser Fahrer bereits auf uns wartete.

Unser erster Stopp war das Ticketoffice, wo ich ausstieg, um unsere Eintrittskarten zu kaufen. Obwohl 2 Schalter offen waren, war niemand zu sehen. Ich klopfte am Fensterladen und rief auch mehrfach in den Raum hinein, aber ich blickte nur in eine gähnende Leere. Die bewaffneten Herrschaften, die am Anfang des Ticketoffices postiert sind, guckten schon neugierig rüber, da ich vergebens einige Minuten vor dem Schalter stand und zuckten mit den Schultern. Ich ging dann kurzentschlossen zu den anderen Schaltern, die nicht in Betrieb waren und schaute durch die Fenster und hinter einem der Fenster konnte ich auf einer Holzbank einen schlafenden Mitarbeiter sehen und weckte ihn vorsichtig mit einem sehr freundlichen „sabah el kheir“ (= arabisch für guten Morgen). Nachdem er sich den Schlaf aus den Augen gerieben und sich seine Gesichtsmaske angelegt hat, kam er langsam zum geöffneten Schalter geschlürft, wo ich bereits Stellung bezogen hatte. Die Eintrittskarten bekam ich nach Vorlage meines Residentenvisums dieses Mal für mich ohne weitere Diskussion.

Anschließend ließen wir uns nach Malqata bringen, wo wir die Aushubhügel für den Birket Habu hochstapften – immer mit dem Blick auf den Boden – um nach bemalten Scherben Ausschau zu halten. Wenn man genau hinguckt, sieht man immer mal wieder eine schöne Scherbe und sofort wurde der Fotoapparat geschnappt, um ein Foto zu machen. Man sollte sich mit Fotos der Scherben zufriedengeben, da es sicherlich nicht spaßig werden würde, am Flughafen erklären zu müssen, wie antike Scherben den Weg in den Koffer gefunden haben. Der Aufenthalt in Ägypten würde sich dann mal eben um 10 Jahre verlängern und ich bin mir sicher, dass niemand den ägyptischen Knast (Kalabusch) von innen näher kennenlernen möchte. Dort geht es nicht so komfortabel zu, wie in einer deutschen Zelle mit Vollpension.

Nachdem wir mit den Aushubhügeln fertig waren, sind wir Richtung Malqata (= Palast Amenophis III) gegangen und haben zuvor im Französischen Grabungshaus gestoppt, um nachzusehen, ob unser netter Wärter dort ist, um uns auf das abgesperrte Gelände des Palastes zu bringen. Wir hatten Glück und der Chef vom Dienst war da und hat uns bereitwillig das Areal gezeigt.

Die Palastmauern wurden seinerzeit verputzt und der Verputz farbig bemalt. An einer Stelle innerhalb des Palastes kann man noch ein paar Fragmente von dem heruntergefallenen Putz sehen und genau da zieht es mich jedes Mal hin. Ebenso kann man 2 Repliken sehen von einer Wandmalerei in Form eines Stiers und wie der Boden bemalt war. Die Originale befinden sich jeweils im Museum. Es ist schon faszinierend, wenn man die Farbenpracht sieht und man sich vorstellt, dass die Wände und Böden alle so bemalt waren.

Auch innerhalb des Palastes konnten wir viele farbige Originalscherben und auch Keramikbruchstücke wie Henkel etc. sehen. Ein paar Fotos stelle ich hier mal ein.

Bis um 9 Uhr haben wir uns dann noch im Französischen Grabungshaus umgesehen. Eine Oase nahezu mitten in der Wüste. Ein vorhandener Swimmingpool wurde mittlerweile mit Papyrus bepflanzt. Überall kann man Palmen und verschiedene Pflanzen sehen. Einfach schön, um runterzukommen.

Bei Sayed habe ich mich auch nach Natif (der Dünne) erkundigt. Unsere Nachbarin hat den Jungkater während des Ramadans aus ihrem Haus gejagt und seitdem kam er immer zu uns und hat meinen Katzen das Futter weggefressen. Ich habe ihn auch aus Mitleid irgendwann gewähren lassen, da er nur Haut und Knochen war. Eigentlich war er ein ganz liebes Bürschen, suchte ständig meine Nähe, egal, wie oft ich ihn aus unserem Garten hinausbefördert hatte und hätte ihn auch bei uns einziehen lassen, wenn nicht a) meine bessere Hälfte sich strikt gegen eine weitere Fellnase ausgesprochen und b) er nicht ständig mit meinen Katzen Streit angefangen hätte. Also musste eine Lösung her und die kam dann in Form des Französischen Grabungshauses. Natif ist nach wie vor dort und hat auch eine weibliche Begleitung gefunden, so dass ich beruhigt war, dass es ihm gut geht. Leider habe ich ihn nicht gesehen, sondern nur seine Freundin, die kam uns zwischendurch während wir Tee tranken, vorbei, um uns zu begrüßen.

Um 9 Uhr gab ich das Signal, dass wir langsam mal zur nächsten Station gehen sollten, da es immer heißer wurde und der Habu Tempel verfügt ja nicht über so viele Schattenplätze, also setzten wir uns in Bewegung und spazierten langsam nach Medinet Habu. Medinet Habu heißt aus dem Arabischen übersetzt Stadt von Habu. Das Areal beherbergt nicht nur den berühmten Habu Tempel, sondern es befinden sich auf dem über 66.000 qm großen Tempelbezirk mehrere Bauten. In den Jahren 1924 – 1937 hat das Oriental Institute von Chicago den Tempel ausgegraben.

Zu Anfang hatten wir Habu ganz für uns alleine. Wir sahen das „Syrische Tor“, wo Ramses III vor Re-Harachte und Amun Re an der Außenwand Feinde knüppelt. Oberhalb des „Hohen Tores“ konnte man noch die Bemalung der Decke des königlichen Harems sehen. Dort erzählte ich die Geschichte von Ramses III Nebenfrau Teje, die mit den Palasteunuchen einen Mordkomplott gegen Ramses III plante, um ihren Sohn auf den Thron zu sehen. Der Mordkomplott fiel auf und Teje und die Eunuchen wurden gefangen genommen. Sie wurden solange gefoltert, bis sie den Mordkomplott gestanden und zum Tode verurteilt. Sie wurden hingerichtet bzw. wurden gezwungen, sich selbst zu richten.

Danach haben wir uns – wegen anhaltender Restaurationen nur von außen – den kleinen Tempel aus der 18. Dynastie von Hatschepsut und Thutmosis III angesehen, der auf älteren Bauresten errichtet wurde. Echnaton ließ in diesem Tempel Szenen von Hatschepsut und Thutmosis III aushacken. Haremhab, Sethos I und Ramses III restaurierten das Tempelchen wieder. Ramses III verzierte darüber hinaus die Außenwand. Innen, wo ich vor ein paar Jahren trotz Restaurierungsarbeiten einmal in den Tempel durfte, konnte man u.a. wunderschöne farbige Reliefs sehen, wo Thutmosis III an Ritualen teilnimmt.

Auf der Rückseite des Steintors Nektanebos kann man eine sehr schöne Scheintür sehen.

Unser Weg führte uns um den Tempel der 18. Dynastie herum zum Heiligen See. Naja, mit einem Heiligen See hat der Tümpel, den wir dort zu Gesicht bekommen haben, nicht mehr viel gemein. Die grüne Brühe lädt nicht wirklich zum Reinigen ein. Aber man kann den Heiligen See ja auch zweckentfremden. In der heutigen Zeit und auch in der Vergangenheit gingen Frauen, die nicht schwanger wurden, freitagsmorgens zu diesem Heiligen See und umrundeten ihn 7 x und baten um Schwangerschaft. An einem kleinen Torbogen in der Nähe des Heiligen Sees kann man u.a. unzählige längliche Kerben sehen, die davon herrühren, dass man Teile des Steins herausgerieben hat und der feine Steinstaub wurde zu Salben und Zaubertränke verarbeitet.

Irgendwie haben wir den Tempelbezirk von hinten aufgerollt und da die Sonne gerade gut stand, um sich die Außenwände mit den Feldzügen gegen die Kuschiten, der Schlacht gegen die Libyer und der Seevölker anzusehen, gingen wir einfach dorthin und sahen uns das Schlachtgetümmel an. Die Libyer und die Seevölker schlossen ein Bündnis gegen den ägyptischen Pharao. Interessant ist, dass dies die erste Dokumentation einer Seeschlacht vor Westasien ist. Man sieht in den Reliefs feindliche Boote, die gekentert sind. Gefallene Seeleute treiben im Wasser.

Was einem im Tempel von Ramses III sofort auffällt, dass die unteren Hieroglyphen extrem groß und tief eingemeißelt wurden und wenn man die Tempelwände weiter nach oben sieht, werden die Hieroglyphen kleiner und sie wurden auch nicht mehr so tief in den Stein gemeißelt.  Ramses III hatte offensichtlich Angst, dass man seine Texte vernichten und durch neue ersetzen würde.

Auf unserem Rundgang kamen wir auch an den Überresten der Magazine, Priesterwohnungen und Büros vorbei, die aus Lehmziegel zum Teil an die Umfassungsmauer gebaut wurden.

Wenn man sich auf die Rückseite des Habu Tempels begibt – ungefähr auf Höhe des mittlerweile zugemauerten 2. Eingangs zum Tempelbezirk, der für Lieferanten etc. vorgesehen war, sieht man 4 Steinsäulen, die irgendwie nicht dorthin passen. Diese 4 Steinsäulen gehörten zum Haus des Schreibers Butehamun aus der 21. Dynastie. Er zog zusammen mit ein paar Handwerkern aus der Arbeitersiedlung (Deir el Medine) in den Tempelbezirk, da die wirtschaftlichen Verhältnisse schlechter wurden und man Angst vor Überfällen durch Räuber hatte.

Dies waren nicht die ersten schlechten Zeiten für die Arbeiter, die die Gräber im Tal der Könige errichteten. Unter Ramses III kam es zu dem ersten dokumentierten Streik in der Weltgeschichte. Ramses III war wohl mehr mit seinen Schlachten beschäftigt, als sich um den Lohn der Arbeiter zu kümmern. Im 29. Regierungsjahr beschlossen die Arbeiter, in den Streik zu gehen und zogen zum Tempel, um sich zu beschweren, dass sie keinen Lohn und nichts zu essen hätten. Die Arbeiten am Grab Ramses III wurden solange unterbrochen, bis der Pharao den ausstehenden Lohn entrichtet hatte.

Vom Haus Butehamun gingen wir langsam an der weiteren Außenfassade des Tempels zum königlichen Palast. Vom Palast selbst ist nicht viel erhalten, da dieser – im Gegensatz zu den ägyptischen Tempeln – nicht für die Ewigkeit gebaut wurde und deshalb nur aus Lehmziegel bestand, die den Witterungsverhältnissen nicht stand hielten. Was man noch gut sehen kann, sind die Baufragmente, die aus Stein errichtet wurden. So kann man noch die 4 Säulenbasen des Audienzsaals sehen und auch den steinernen Sockel für den Thron des Pharaos. Auch die königliche Palasttoilette zeige ich gerne.

Auf der Rückseite des ersten Pylons, quasi gegenüber dem königlichen Palast, kann man Ramses III bei der Jagd sehen. Im oberen Register jagt Ramses III Antilopen und Wildesel.  Im Register darunter sieht man den Pharao bei der Büffeljagd in den Sümpfen. Ramses III scheint ein guter Streitwagenfahrer gewesen zu sein, wenn man sich mal die Darstellung genauer betrachtet, sieht man, wie er cool und lässig ein Bein über seinen Streitwagen gelegt hat und im vollen Galopp noch mit dem Sperr auf Büffeljagd geht. 2 Büffel hat es bereits erwischt und der dritte Büffel stürzt gerade. Fische und Vögel sieht man im Fluchtmodus an der rechten Seite der Wand. Begleitet wird der Pharao von seinen Soldaten.

An der angrenzenden Wand zur Büffeljagd kann man eine der längsten Inschriften sehen. Diese Inschrift wird Kalender von Medinet Habu genannt. Dort werden alle Feste aufgezählt, die im Tempel jedes Jahr stattfanden. Es werden dort Daten und Dauer der Feste niedergeschrieben und welche Opfer der Pharao darbrachte.

Medinet Habu – Festkalender auf der Außenwand

Nun konnten wir uns der normalen Route einer Tempelbesichtigung widmen. Wir standen endlich vor dem ersten Pylon. Der erste Pylon ist 27 m hoch und 65 m breit. Rechts kann man Ramses III mit der Roten Krone beim Zerschmettern der Feinde vor Re-Harachte sehen. Links die selbe Szene mit der Weißen Krone vor Amun-Re. Amun-Re hält ein Siegesschwert in seinen Händen. Ramses III und  die beiden Götter „stehen“ auf ihren besiegten Feinden.

Die 4 Nischen im Pylon waren für die nicht mehr vorhandenen Fahnenmasten bestimmt. In einer langen Inschrift auf der Pylonaußenwand wird vom Sieg des Königs über Libyen berichtet. In einer Stele bittet Rames III sein Volk, ihm loyal ergeben zu sein. Nicht ohne Grund wird er diese Stele hat aufstellen lassen. Höchstwahrscheinlich waren es unruhige Zeiten.

Wir schritten durch den Pylon und kamen in den 1. Hof, der nicht symmetrisch angelegt ist, was für das Alte Ägypten ungewöhnlich war. Ein Grund könnte sein, dass der Palast nur vom 1. Hof aus zu erreichen war und von daher links 8 Säulen mit offenen Papyruskapitellen und auf der rechte Seite 7 Osiris-Säulen stehen.

Auf der Ostwand (Südturm, links) findet man militärische Szenen. Ramses III führt ein Sarden-Regiment in eine blutige Schlacht mit Libyern. Auf dem Nordturm (rechts) werfen Schreiber Hände und Penisse der gefallenen Feinde auf einen Haufen. So zählte man im Alten Ägypten die gefallenen Feinde. Auf der gegenüberliegenden Wand (hintere Mauer, 2. Pylon) präsentiert Ramses III Amun-Re und Mut seine Kriegsgefangenen (Seevölker/Feinde aus Westasien). Auch hinter den Säulen kann man weitere Schlachten sehen, wie z. B. einen Angriff auf eine syrische Festung.

Auf der Südmauer im 1. Hof (Seite zum königlichen Palast) sieht man, wie der König erneut Feinde zerschmettert. Eine Prozession von Beamten und Familie kann man auch als Relief sehen. Ramses III wird auch beim Besuch der Pferdeställe dargestellt. Mittig kann man das Erscheinungsfenster sehen, wo Ramses III sich vom Palast aus seinen Untertanen zeigte. Unterhalb des Erscheinungsfenster kann man kämpfende Ringer sehen. Jeweils ein Ägypter kämpft gegen einen Feind. Die Hieroglyphen teilen mit, dass die Ringer rufen: Wehe Dir, Feind. Mein König ist mit mir und gegen Dich oder auch Pass auf. Der Pharao schaut zu.

Im 2. Hof kann man Festszenen sehen. Es sind sowohl religiöse Prozessionen, als auch militärische Szenen vorhanden. Meistens ist Min zu sehen. Darstellungen von Tanz, Gesang, Händeklatschen und Essen sind zu sehen. Der 2. Hof wurde auch von den Christen genutzt und schädigten ihn durch den Gebrauch.

Im 2. Hof kann man auch auf der rechten Mauer des rechten Turms Szenen des Min-Festes sehen, welches an einem Tag Mitte Februar begangen wurde.  Königliche Prinzen tragen ihren Vater in einer verzierten Sänfte und diese wird von der Göttin Maat beschützt. Min wird nicht in einem geschlossenen Schrein versteckt, sondern offen auf einer Sänfte. Die Priester tragen das Bildnis auf den Schultern, so dass man nur den oberen Teil ihrer Köpfe, die Füße und Knöchel sehen kann. Vor Min laufen Priester in Reihen. Sie tragen kleine Stauten der Ahnen Ramses III. Der König schneidet Getreide und eine Schar Vögel wird losgelassen. So gilt der König als wiedergeboren.

Auf dem linken Turm sieht man das Fest des Ptah-Sokar, welches Mitte September 10 Tage lang gefeiert wird. Der König opfert vor dem falkenköpfigen Sokar-Osiris und 3 anderen Göttern.

Der Tempel Ramses III blieb auch nicht vor Steinraub verschont, was Ramses III gerne praktizierte, konnten auch nachfolgende Pharaonen. Gerade im 1. Säulensaal ist dies gut sichtbar. Dort sind nur noch die unteren Teile der Säulen erhalten geblieben. Spätere Herrscher nahmen die oberen Teile weg. Es gab im 1. Säulensaal 8 große Säulen, die außen angesiedelt waren und  16 kleinere Säulen, die zum Tempelinneren aufgestellt wurden.

Die seitlichen Räume befinden sich in einem sehr guten Zustand. Insgesamt gibt es 52 Räume, die für Tempelrituale usw. vorhanden waren. Betreten durften diese Räume nur die obersten Priester. Sie waren die Wohnstätten für die Götter/Göttinnen. Wenn Opfer dargebracht wurden, wurde die schwere Doppeltür, die den 1. Säulensaal von vorderen Tempelbereich abtrennte, verschlossen und versiegelt. Die Türpfosten trugen Holzdübel, an denen dünne Folien aus Kupfer befestigt waren.

Wenn man langsam auf das Allerheiligste zugeht, erkennt man, dass sich die Böden erhöhen, der Tempelbereich wird schmaler, die seinerzeit vorhandenen Decken wurden abgesenkt und es wurde dadurch dunkler.

Auf der rechten Seite des 1. Säulensaals befinden sich 6 Kapellen für verschiedene Gottheiten. Es befindet sich dort eine Kapelle, wo Szenen mit Ramses III, einer Königin und königlichen Kindern gezeigt werden. Eine 2. Kapelle wurde Ptah gewidmet. Eine 3. Kapelle wurde für heilige Gerätschaften von Thot, Isis und anderen Göttern genutzt. In der 4. Kapelle stand die Barke von Sokar. Heute steht dort nur noch eine Alabasterstatue in Fragmenten von Ptah. In der 5. Kapelle befindet sich nur 1 Raum mit einer Säule und einer Seitenkammer mit Schlachtszenen. Geschlachtet wurde dort wahrscheinlich nicht, da es dort keinen Abfluss gab. Die Kapelle diente wohl eher zur Lagerung. In der 6. Kapelle befand sich die heilige Barke von Ramses III.

Auf der linken Seite des 1. Säulensaals befinden sich 5 kleine Räume, die man lediglich durch 1 Zugang erreichen kann. In diesem Räumen wurden religiöse Gerätschaften, Gold, Silber, Kupfer, Lapislazuli und Kästen mit Edelsteinen gelagert. Leider waren die Räume verschlossen, aber durch ein kleines Loch konnten wir zumindest etwas erblicken.

Im 2.  und  3. Säulensaal befinden sich weitere Räume links und rechts mit schönen Reliefs. Auf der rechten Seite des 2. Säulensaals befindet sich ein kleines Vestibül mit Szenen von Ramses III und Re-Harachte. Ein größerer Raum mit einem teilweise offenen Dach beinhaltet ein Architrav mit einer Sonnenbarke mit Pavianen. Die Schreie der Paviane sollen die Morgendämmerung angekündigt haben. Die Reise der Sonne durch den Himmel bis zum Sonnenuntergang wird dargestellt. Eine kleine Treppe führt hinauf zum Dach, wo man noch Spuren von Schreinen erkennen kann.

Auf der linken Seite des 2. Säulensaals gibt es 8 Räume, die dem König gewidmet waren, der nach seinem Tod Osiris empfing. Toth und Priester bringen dem König Opfer dar und vollziehen die rituelle Mundöffnung. Toth schreibt den Namen des Königs auf Blätter eines Kugelbaums.

In einem weiteren Raum mit 2 Säulen opfert der König vor Ptah, Amun-Re, Sechmet, Nefertem, Isis, Ptah-Sokar-Osiris und Horus. Dahinter befinden sich kleinere Kammern. Auf einer Wand wird das Kapitel 110 des Totenbuchs dargestellt: Der König pflügt Felder, erntet Getreide und opfert dem Nilgott. In einer weiteren Kammer kann man Szenen aus dem Kapitel 148 des Totenbuchs sehen. Eine Prozession aus 7 Himmelskühen und 1 Bulle, die mit dem Sonnengott und Osiris assoziiert werden.

Diese Räume hat man uns geöffnet und damit wir nicht verloren gehen, während der Wärter sein Mittagsgebet verrichtete, hat er uns kurzerhand eingeschlossen. Wir konnten es nicht glauben und haben uns nur angesehen und einen solchen Lachkrampf bekommen. Es war einfach nicht zu glauben, aber das Vorhängeschloss war zu und wir mit Ramses III „inhaftiert“. Vor lauter Lachen haben wir die ersten Minuten überhaupt nicht fotografiert. Als wir an der Tatsache, dass wir eingeschlossen sind, nichts ändern konnten, haben wir die Zeit genutzt und uns die einzelnen Räume angesehen und fotografiert. Pünktlich nach dem Mittagsgebet wurden wir aus dem Kalabusch (arabisch für Gefängnis) entlassen.

Die Räume vom 3. Säulensaal sind schlecht erhalten und kaum verziert.

Im 3. Säulensaal ließ Ramses III Statuen aus dem Amenophis III Tempel aufstellen.

Auf dem Weg aus dem Tempelbezirk sind wir noch im Vorhof an den Kapellen der Göttlichen Anbeterinnen vorbeigekommen. Da dort gerade Restaurierungsarbeiten durchgeführt wurden, haben wir die Kapellen nicht von innen besichtigt. Die Kapellen wurden für 4 Prinzessinnen, die später Amun als Priesterinnen dienten, errichtet. Die Körper der Priesterinnen wurden in den Krypten bestattet. Inschriften über den Kapellen bitten darum, dass man für die Prinzessinnen beten möge, sollte man der Bitte nicht nachkommen, dann würde man mit Krankheiten bestraft werden.

Unser Fahrer erwartete uns bereits am Ausgang und wir haben erst einmal eine kleine Pause in einem Restaurant mit Blick auf den Hatschepsut Tempel eingelegt. Obwohl ich im Habu Tempel bereits etwas Hunger hatte, hatte ich im Restaurant nur noch Durst. Die Sonne brannte und die ganze Zeit durch den Tempel laufen und erklären macht unheimlich durstig, sehr durstig 😉

Als wir uns ausgeruht und gestärkt  hatten, haben wir uns zum Sethos I Tempel fahren lassen.

Der Sethos I Tempel liegt direkt gegenüber vom Karnak Tempel. Beide Tempel sind geographisch und funktionell über ihre zeremoniellen Rollen bei den großen Festen, verbunden. Im Alten Ägypten führte ein Kanal zum Fluss und z. B. während des Schönen Festes zum Wüstental segelten die Prozessionen in den Heiligen Barken vom Amun Tempel  zum Sethos Tempel. Im Sethos Tempel begannen die Rituale bevor sie in den anderen Tempeln fortgeführt wurden. Im Sommer und Herbst starteten früher Besichtigungstouren im Sethos Tempel, da die Straße aufgrund der Nilüberschwemmung bis zu den Memnon Kolossen unter Wasser stand.

1994, also noch gar nicht so lange her, wurde der Sethos Tempel durch Wolkenbrüche stark beschädigt. Tausende Liter Schlammwasser ergossen sich in ihm. Über 1 Meter hoch stand das Wasser, welches mit 20 km/h aus den Bergen kamen. Die Umfassungsmauern wurden ebenso zerstört, wie Statuen. Die Lagerräume wurden überflutet. Zerstörte Statuen und Tonnen von Schlick, Sand und Steinen mussten aus dem Tempelareal entfernt werden.

Der heutige Tempel war ursprünglich 160 m lang. Die Überreste dutzender Sphingen und Inschriftenblöcke wurden nach der Flut entlang der Achse aufgestellt.

Heute betritt man den Tempel nicht mehr durch den 1. Pylon. Der Originalpylon war 69 m breit und 24 m hoch. Heute kann man von dem mächtigen Eingangspylon kaum noch etwas sehen, wovon wir uns selber überzeugen konnten. Er ist zum einen stark zerstört und direkt hinter dem Pylon hat sich ein Dorf breit gemacht.

Auch der Sethos I Tempel verfügt über einen königlichen Palast. Der Palast gleicht dem Palast in Medinet Habu. Der Sethos I Palast ist jedoch der älteste Palast innerhalb eines Totentempels.

Der große Säulensaal des Palastes verfügt über 12 Pfeiler mit einer großen Treppe zum Erscheinungsfenster. Vom Erscheinungsfenster aus konnte Sethos I Prozessionen und Zeremonien, die im Hof stattfanden, zusehen. Den Prozessionsweg säumten dutzende Sphingen, die durch die Flut zerstört wurden. Keine einzige Sphinx ist vollständig erhalten geblieben. Auch der Palast ist weitgehendst zerstört. Lediglich ein paar Säulenbasen und ein paar Mauerreste kann man noch sehen.

Der 2. Pylon des Tempels ist komplett verschwunden. Damit man weiß, wo er sich befunden hat, hat man dort eine kleine Mauer gebaut. Der ursprüngliche Pylon war ca. 7 m hoch.

Immer wieder schön, wenn man den Weg auf den Palast zugeht und man an ein paar Dattelpalmen passieren muss. In diesem Tempel eines meiner Lieblingsmotive.

Wenn man direkt vor dem Tempel steht, sieht man den Portikus mit 10 Payprusbündelsäulen. Die Inschriften auf den Architraven wurden von Ramses II verfasst. Er teilt mit, dass er nach dem Tod von seinem Vater (Sethos I) den Tempel vollenden ließ. Der Portikus verfügt über insgesamt 3 Durchgänge.

Der linke Durchgang ist dem König und seiner Familie gewidmet, der mittlerne Durchgang dem Amunkult und der rechte Durchgang dem Sonnenkult.

Der mittlere Durchgang führte uns in den Säulensaal mit 6 Säulen. Vom Säulensaal gehen jeweils 3 Kapellen links und rechts ab. Die rechten Kapellen sind für die thebanische Triade (Amun, Mut und Chons). Die Reliefs wurden von Sethos begonnen und von Ramses II beendet. Wenn man sich die Kapellen genau ansieht, kann man genau sehen, welche von Sethos I oder welche von Ramses II beendet wurden. Die Reliefs von Sethos sind einfach schöner und filigraner, während die Reliefs von Ramses II gröber wirken. In den Kapellen opfern Ramses und Sethos vor verschiedenen Gottheiten.

Die Räume hinter dem Säulensaal sind dem Fest des Schönen Wüstentals und Amun gewidmet. Insgesamt 5 Durchgänge für die Heiligen Barken sind dort vorhanden (links für Mut, Mitte für Amun, rechts für Chons). Die anderen beiden Räume dienten keinen besonderen Zweck.

Der Saal der im linken Durchgang vom Portikus sich aus befindet, verfügt über 2 Säulen. Dahinter befinden sich 3 Kapellen. Diese wurden von Sethos für Ramses I (seinem Vater) zur Verehrungszwecken gewidmet, da dieser keinen eigenen Totentempel hatte. In den Reliefs kann man Ramses I und II und Sethos I vor Amun sehen. Es befindet sich dort auch eine doppelte Scheintür für Ramses I.

Wenn man den rechten Durchgang vom Portikus durchschreitet, gelangt man in einem geschädigten Hof für den Sonnenkult.

Im Sethos I Tempel befinden sich die ersten Lagerhäuser aus Lehmziegel innerhalb von Tempelmauern in der Geschichte Ägyptens. Zuvor wurde Nahrung aus dem Karnak Tempel herbeigeschaffen.

Ein kleiner heiliger Brunnen wurde vor nicht allzu langer Zeit freigelegt und befindet sich links neben der Tempelanlage.

Da wir irgendwie durch die Hitze ziemlich platt waren, sind wir nur schnell durch den Tempel gehuscht und haben uns die wichtigsten Punkte angesehen.

Um noch etwas zu relaxen, sind wir anschließend noch in einem Coffee-Shop gefahren, etwas Kühles zu trinken, bevor mein Gast mit dem Boot wieder zurück zur Eastbank gefahren wurde.

Es war ein total schöner Ausflug mit einem ganz lieben Gast und ich hoffe, dass ich Kerstin sehr bald wieder in Luxor begrüßen darf.

Text und Fotos: Andrea Vinkenflügel

2 Antworten auf „Die ersten Touristen kommen wieder nach Luxor…“

    1. Hallo Udo,

      vielen Dank.

      Eigentlich versuche ich, nicht so viele Infos in einen Reisebericht zu packen, damit es nicht langweilig wird. Dieses Mal habe ich eine Ausnahme gemacht und insbesondere in Habu etwas mehr Informationen einfließen lassen.

      Liebe Grüße aus Luxor
      Andrea

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