Abydos

Totentempel des Sethos I. in Abydos

 

Ungefähr 170 km von Luxor entfernt liegt der Tempel von Sethos I in Abydos.

Sethos I begann mit dem Tempelbau bereits in seiner Funktion als königlicher Berater noch zu Regierungszeiten von Haremhab oder Ramses I, dem Vater Sethos I.. Dies ergibt sich aus dem Nauri-Dekret. Erst als der damalige Herrscher verstorben war, hat Sethos I die Tempelanlage als regierender Pharao übernommen und für sich genutzt und ausgegeben. Aus dem Nauri-Dekret geht nämlich hervor, dass bei Amtsantritt von Sethos I der Tempel  schon größtenteils vorhanden war. Die Fertigstellung des Tempels erlebte Sethos I jedoch nicht mehr.

Sein Sohn, Ramses II, führte die Arbeiten schließlich zu Ende und ließ den Tempel auch noch erweitern, ebenso Pharao Merenptah führte noch Erweiterungen aus und ließ das Osireion fertigstellen.

Wenn man sich dem Sethos I Tempel in Abydos nähert, steht man erst   einer unspektakulären Tempelfassade gegenüber. Sie ist wirkt nicht so gewaltig, wie zum Beispiel der Karnak oder Luxor Tempel.

Im Innern bekommt man jedoch  verschiedene Säulensäle, Sanktuare mit eindrucksvollen Reliefs zu Gesicht. Man sollte sich ausreichend Zeit nehmen, um das gesamte Innere des Tempels zu erkunden.

Insbesondere ist Abydos für seine Königsliste bekannt. Allerdings ist diese Königsliste nicht wirklich vollständig. Lediglich 75 Herrscher wurden dort aufgeführt. Aus staatspolitischen Gründen wurden zum Beispiel die Pharaonen der 1. Zwischenzeit zum größten Teil und alle Könige der 2. Zwischenzeit nicht mit aufgeführt. Auch Hatschepsut und die Pharaonen sogenannten Amarnazeit wurden gänzlich weggelassen.

Tempel des Ramses II. von Abydos

 

Wenn man Abydos hört, denken die meisten Gäste nur an den Tempel von Sethos I. Der kleinere Tempel seines Sohnes, Ramses II, ist leider weniger bekannt. Dies liegt sicherlich daran, dass die großen Reiseveranstalter höchstens den Sethos I Tempel anfahren, sofern sie Abydos, ca. 170 km von Luxor entfernt, überhaupt in den Reiseverlauf mit aufnehmen.

Der Ramses II Tempel ist  zwar nicht so gut erhalten, die der Tempel seines Vaters, ebenso fehlen die Bedachungen des Tempels fast vollständig, aber trotzdem ist der farbenprächtige Ramses II Tempel wunderschön. Auch nach über 3000 Jahren erstrahlen die farbigen Reliefs so gut, als wäre der Tempel gerade erst errichtet worden. Man hat den Tempel für die Errichtung neuer Häuser verwandt und nach und nach abgetragen.

Im Ramses II Tempel gab es – genauso wie im Sethos I Tempel – eine Königsliste. Diese jedoch unvollständige Königsliste befindet sich heute im Britischen Museum in London.

Es lohnt sich auch, von außen die Tempelmauern abzuschreiten; dort befinden sich Szenen aus der Schlacht von Kadesch. Sowohl Ramses II, als auch die Hethiter haben sich den Sieg der Schlacht von Kadesch auf die Fahne geschrieben. In der Tat hat wohl keine der Parteien gewonnen, andernfalls wäre nicht der bekannte Friedensvertrag von Kadesch abgeschlossen worden.

Osireion Abydos

Hinter dem Sethos I-Tempel in Abydos befindet sich noch ein kleinerer Tempelbereich, der dem Gott Osiris geweiht wurde und von Flinders Petrie den Namen Osireion bekam. Das Osireion wurde Anfang des 20. Jahrhundert durch Flinders Petrie und Margaret Alice Murray entdeckt.

Obwohl man früher angenommen hat, dass das Osireion ein Königsgrab war, kommt man anhand der vorgefundenen Reliefs etc. heute zu der Ansicht, dass das Osireion ein Tempel war.

Sethos I als auch Merenptah haben nachweislich Bautätigkeiten am Osireion vornehmen lassen.

Im Orsreion konnte man an 2 Wänden Malerein des Buchs der Höhlen und des Buchs der Pforten sehen. Beide Bücher sind wichtige Bestandteile der ägyptischen Mythologie/Religion. Der Sonnengott muss täglich eine Reise durch die Unterwelt vornehmen, um am nächsten Tag wiedergeboren zu werden. Die beiden Bücher beschreiben seiner Reise durch die nächtliche Unterwelt. Im Tempelbereich sind allerdings auch noch die Bücher der Nut, der Erde, einige Kapitel des Totenbuchs, Texte aus den Himmelsbüchern und das Buch von der Nacht zu finden. Diese wurden in Form von Reliefs oder Malereien an den Decken und Wänden angebracht.

Wegen des Grundwassers steht der gesamte Tempelboden heute unter Wasser.

 

Text und Fotos Andrea Vinkenflügel