Deir el Medine

Deir el-Medine

 

Deir el-Medina ist, aus welchen Gründen auch immer, mein Steckenpferd. Dieses Gebiet hat mich von Anfang an gereizt und ich habe viel darüber gelesen, habe Wochenendkurse belegt und sogar einen langes Referat erstellt.

Die Handwerker, die die Gräber im Tal der Könige und im Tal der Königinnen, errichtet haben, haben dort zusammen mit ihren Familien gewohnt. Jede Familie hatte dort ihr eigenes Haus. Das Gebiet umfasste ca. 70 Häuser, die Grundmauern wurden in den vergangenen Jahren freigelegt.  Deir el-Medina war von einer Mauer umgeben und der Eingang wurde  von Wärtern bewacht.

Die Arbeitersiedlung war ab der 18. Dynastie bis zur 20. Dynastie in Betrieb. Lediglich während der sogenannten Amarnazeit wurden keine Tätigkeiten im Tal der Könige und im Tal der Königinnen entfaltet.

Die Arbeiter haben außerhalb der Arbeitersiedlung ihre Privatgräber errichtet. Ein paar wenige kann man heute dort besichtigen. In den Gräbern sind wunderschöne Alltagsszenen abgebildet. Die Reliefs sind nicht so formell, wie in den Gräbern, die sie für die Pharaonen angelegt haben. In zweien der Gräber kann man sogar Altersdarstellungen finden, was für Ägypten, wo sich jeder nur ideal darstellen lassen wollte, bewundern. So kann man die Eltern der beiden Grabherren mit weißen Haaren abgebildet sehen. Mir persönlich gefallen gerade diese beiden Szenen sehr gut, weil sie für Ägypten außergewöhnlich sind. Gerne zeigen wir Ihnen eines der Gräber und wenn wir Glück haben, sind sogar beide Gräber für Besucher geöffnet.

Es gibt noch eine kleine Besonderheit rund um das Leben in der Arbeitersiedlung: Der erste bekannte Streik der Weltgeschichte fand in Deir el-Medina statt. Nachdem Pharao Ramses III seinen Verpflichtungen gegenüber den Arbeiter nicht nachkam und die Arbeiter ihren Naturallohn nicht erhielten, gingen sie spontan in den Streik, bis der Pharao ein Einsehen hatte und die Arbeiter wieder bezahlte.

Unweit der Arbeitersiedlung befindet sich das sogenannten Grand Piet, eine riesige Grube, die von den Familien als „Müllgrube“ genutzt wurde. Die Arbeiter haben dort ihre ganzen Ostrakas usw. hineingeworfen und bei Ausgrabungen wurden diese wertvollen Relike gefunden. Sie geben u.a. Aufschluss darüber, welcher Arbeiter an welchem Tag nicht zur Arbeit erschien, Wäschereilisten wurden ebenso dort gefunden, wie Karikaturen und Zeichenversuche der Handwerker. Viele der schönen Ostrakas befinden sich heute in Museen.

Im Bereich von Deir el Medine wurden vor ein paar Wochen 4 neue Gräber eröffnet. Zunächst kann man ein 3er-Grab von Amun-Nacht und seiner beiden Söhne besichtigen. Der Vater Amun-Nacht (TT 218) und sein Sohn Nebenmaat (TT 219) haben ihre Sargkammern in der unteren Etage des gemeinschaftlichen Grabes. Beide Sargkammern machen einen fertigen Eindruck, was man vom Grab des Khaemteri (TT 220) nicht sagen kann. Um die beiden Gräber des Vaters und des Sohnes in der unteren Etage besichtigen zu können, muss man zunächst eine kleine Treppe hinuntergehen und sich während dessen am besten umdrehen, da der Zugang zur Sargkammer ziemlich niedrig ist, da freut sich der Rücken des Rückenkranken oder auch große Personen.

Ein weiteres Grab, welchses gerade erst eröffnet wurde, ist das Grab des Nacht-Amun (TT 335). Dieses Grab sollte man am besten rückwärts gehend betreten, da die Stufen überaus hoch sind und so der Abstieg einfacher ist. Man wird für die Mühen des Abstieges mit einem wunderschönen Grab belohnt. Das Grab verfügt nur über 4 Farben, aber es hat irgendetwas, was es zu einem besonderen Grab werden lässt. Ein paar Fotos zur Veranschaulichung füge ich bei.

Nach der Besichtigung des Tempels in Deir el Medine bekam ich die Gelegenheit, ein noch geschlossenes Grab besichtigen zu können. Wem das Grab gehörte, konnte man mir nicht mitteilen. Aufgrund des Aufbaus könnte es sich aber auch um eine Art Kapelle handeln.

Die nachfolgenden Gräber konnte man nach der Eröffnung zusammen mit dem Ticket von Deir el Medine besichtigen, deshalb sind diese hier aufgeführt. Mittlerweile haben die 3 Gräber in Qurnet Murrai eigene Tickets.

 

Text und Fotos Andrea Vinkenflügel