Ist Sethos über die Regenbogenbrücke gegangen?

Das schwierige Leben eines kleinen Straßenkaters.

Sethos habe ich zusammen mit den beiden weiteren Fellnasen Ramses und Nofret kennengelernt, die ich Euch hier im Blog bereits vorgestellt habe.

Meinen kleinen Sethos musste man sofort ins Herz schließen. Am Anfang war er noch etwas zurückhaltend, aber dies legte sich ganz schnell. Er hat sich das draufgängerische Verhalten von Ramses abgeguckt und hat nach dessen Weggang seine Stellung eingenommen. Er war dann der Platzhirsch im Hof, aber nur, so lange der gemeine große graue Straßenkater nicht auf Patrouille unterwegs war, dann wurde aus dem Draufgänger ein kleines Häufchen Elend.

Alle drei Katzen hatte vor diesem speziellen Revierkater Angst ohne Ende. Insgesamt schlichen durch unsere Straßen 4 von den großen Katern, die überall Angst und Schrecken verbreiteten, aber der graue Getigerte war das gemeinste Vieh von allen. Den hatte ich nach kurzer Zeit gefressen und ich verscheute ihn aus dem Hof, wenn er es wagte, über die Mauer oder das Flachdach in den Hofbereich zu klettern. Wenn ich ihn sah verteidigte ich meine Katzenschar und zeigte ihm  mit einem Besen bewaffnet den Ausgang. Das war sicherlich ein lustiger Anblick, wenn man mich mit einem Besen hinter einem Kater herlaufen sah, aber das war mit egal, Hauptsache meine kleinen Schützlinge hatten ihre Ruhe.

Während Nofret clever genug war, sich abends in Sicherheit zu bringen, um vom Revierkater nicht belästigt zu werden, musste Sethos ständig dran glauben. Er hatte bereits einige Narben davongetragen. Dabei tat er niemanden etwas und wollte nur seine Ruhe haben, aber die war ihm nicht vergönnt.

Um ihn möglichst lange am Abend zu beschützen, habe ich, obwohl es im Winter auch in Luxor verdammt kalt wird, Stunde um Stunde – dick eingepackt mit Jacke und Schal –  lesend am Pool verbracht. Der kleine Sethos hat sich im Stuhl neben mir zusammengerollt und vorgeschlafen. Abend für Abend statte der Revierkater uns einen Besuch ab und ich mit dem Besen wieder hinter ihm her und  habe ihn vertrieben. Er kann froh sein, dass ich keinem Tier etwas tue, andernfalls hätte ich ihm gerne mal einen Scheitel gezogen. Obwohl ich ja zugeben muss, dass ich – vor allem, nachdem er den armen Sethos so sehr zusetzte – es gerne mal getan hätte. Das schlimmste, was ich dem Revierkater angetan hatte, war ihn mit Wasser nass zu spritzen, was Katzen ja gar nicht mögen, aber das war er selbst schuld, was hat er auch bei mir im Hof zu suchen?

Als es in Luxor immer kälter wurde, hat sich Sethos zum Schlafen unter die Sitzauflagen gelegt und man musste aufpassen, dass man sich nicht aus Versehen einen Stuhl schnappte, wo er sich versteckt hatte. Also wenn man eine Beule auf der Sitzfläche sah, war es angeraten, diese Beule mal kurz anzustupsen, um zu sehen, ob die Beule bewohnt war oder nicht. Manchmal denke ich, er hat wirklich versucht, sich vor dem Revierkater zu verstecken. Aber leider nutzte ihm dies nichts. Der Revierkater hat ihn jede Nacht gefunden. Wenn Sethos Glück hatte, konnte er rechtzeitig schreiend weglaufen oder ich wachte vom Schreien auf und konnte auf dem Besen reitend ihm zur Hilfe eilen. Ich weiß nicht, wie oft ich nachts mit dem Besen in den Hof gelaufen bin. Manchmal kam ich leider zu spät und der arme Sethos hat sich wieder eine Beiß- oder Kratzwunde zugezogen.

Als die Attacken immer schlimmer wurden, hat Sethos offensichtlich bei mir verstärkt Schutz gesucht. Er schlief jetzt nicht mehr unten im Hof, sondern direkt vor meiner Wohnungstür auf dem Podest und guckte immer zum Flachdach, über welches der Revierkater abends auf seinem Kontrollgang kam. Sethos saß wirklich abends zitternd auf dem Podest und der Kleine tat mir einfach nur leid. Ich habe versucht, ihn dazu zu bewegen, sich nicht dort hinzusetzen, da er von dort einfach keine Fluchtmöglichkeit hatte. Selbst wenn ich stundenlang auf ihn einredete, er blieb stur an die Gitterstäbe gedrängt sitzen. Unten im Hof wäre es für ihn leichter gewesen, sich zu verdünnisieren.

Nach und nach bekam ich dann auch mit dem Eigentümer des Hauses ein kleines Problem, da Sethos sich, wenn er an den Gitterstäben gelehnt vom Revierkater bedrängt wurde, seine Körperfunktionen nicht mehr unter Kontrolle hatte und seine Blase und seinen Darm entleerte. Also durfte ich nachts nicht nur den Kater verscheuchen, sondern auch noch die Treppe putzen.

Einmal erwischte es Sethos richtig heftig und er trug Bisswunden an seinem Bein davon und die 5. Kralle am Daumenballen war um 180° verdreht. Das sah wirklich nicht gut aus und entzündete sich schließlich auch. Ich beriet mich mit ein paar Katzenmamis und man trug mir auf, dass ich dem armen Kerl etwas Paracetamol geben soll, damit die Entzündung zurück geht und so löste ich ihm ein wenig von einer Tablette im Wasser auf und gab sie ihm zu trinken. Danach war er erst einmal eine Stunde schachmatt und schlief auf meinem Sofa oder hinter der Eingangstür neben meinen Schuhen. Irgendwann fiel dann die verdrehte Daumenkralle ab und die Wunde eiterte und so bekam er weiterhin Paracetamol und nach ein paar Tagen sahen die Wunden schon ganz gut aus. Er fing dann auch wieder an, Futter zu sich zu nehmen, welches er zwischendurch verschmähte.

Dann kam eine Reisegruppe an und ich fuhr mit der Gruppe für ein paar Tage nach Assuan und in dieser Zeit musste Sethos wieder schutzsuchend bei mir oben auf der Treppe gesessen haben, was ich nach meiner Rückkehr anhand seiner Hinterlassenschaften erkennen konnte. Sethos kam leider nicht mehr wieder. Ich rief ihn zwar ständig, aber er blieb verschwunden. Ich befürchte, dass der Revierkater die Gunst der Stunde genutzt und  dem armen Sethos den Gar ausgemacht hat, andernfalls wäre Sethos bestimmt wieder aufgetaucht. Wünschenswert wäre, er hätte sich ein anderes Revier gesucht, aber wirklich glauben, tue ich das nicht.

Text und Fotos Andrea Vinkenflügel

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